Behrend Böckmann – Œwer dei Superie (leest vun Thorsten Börnsen)

Behrend BöckmannŒwer dei Superie
Auf einem Bauernhof in der Nähe Bad Segebergs kam ich am 11. Mai 1942 auf die Welt. Meine Mutter war eine Kieler Kaufmannstochter, mein Vater Sohn eines Dithmarscher Pferdehändlers. Meine ersten Lebensjahre verbrachte ich auf Bauernhöfen und Gütern zwischen Bad Segeberg und Hamburg.

Im Jahr 1947 siedelte ich mit meiner Familie nach Dobbin bei Dobbertin (Mecklenburg-Vorpommern) über. Dort bewirtschafteten unsere Eltern die Büdnerei einer verwitweten Tante meiner Mutter. Diese Tante sprach Mecklenburger Platt und mein Vater Dithmarscher Platt und sie lasen an langen Winterabenden etwas von Fritz Reuter oder Rudolf Tarnow vor.

Dadurch war der Grundstein für das Platt reden und verstehen gelegt. Die Freude an der plattdeutschen Sprache ging auch nicht durch die berufliche Tätigkeit als Lehrer und später als habilitierter Erziehungswissenschaftler verloren.

Mit dem Eintritt ins Rentenalter kam zum Verstehen und Sprechen das Schreiben hinzu. Neben Texten für die Schweriner Volkszeitung, die Ostseezeitung und den Nordkurier entstehen auch Texte für verschiedene Anthologien und Periodika. Fünf kleine Bücher sind bisher im BS-Verlag Rostock herausgekommen.

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Behrend Böckmann

Œwer dei Superie

Oll’ Supkopp

Hett hei’n Buddel ierst tau fåten
Kann hei’t Drinken nich mihr låten
Un drinkt un drinkt soväl hei kann
Un drinkt sik düchtig einen an,
Un hei drinkt so bannig fix
As wier dat Wåder, wieder nicks,
Bet hei wier nich mihr allein
Un nu kümmt em all dat Dreih’n;
Up eis gåhn em dei Lichter ut
Un dor leech hei up’e Schnut.

Hei wüsst nich mihr wat vörn un hinnen,
Künn sik so an nicks besinnen,
Ümmer harr hei ’n Kœm verdrågen,
Nie nich wier hei so henschlågen,
Taun iersten mål in’t Drinkerläben
Hett’t ’n Bul an’n Kopp nu gäben;
Väl hett sik dei Kierl nich dån,
Künn dornåh gliek wedder ståhn
Un in’n Speigel denn ok seihn,
Wat mit sienen Kopp gescheihn:

Hei süht dei Brüüsch in sien Visåsch
Un bringt sik sülben gau in Råsch,
Hei fangt ierst leising an tau stottern
Un ward denn ümmer luder toddern:
Dei Kœm allein is Schuld an allen,
Ok dat hei so dœmlich fallen
Kümmt blot von denn ollen Kœm,
O wat schmeckt dei Schiet doch schön!

Ierst as dat noch väl leger kåmen,
Wür vonne Buddel Afschied nåhmen.

Schnaps

Bramwien, Schnaps orrer ok Kœm,
O wat schmeckt dei Sprit doch schön,
Wenn dei Minsch sik schnappt ruckzuck
Denn Stamper mit denn lütten Schluck,
Denn tau Schnaps as einen Nåmen
Is dei Sprit dörch’t Schnappen kåmen.
Giern nähm man Kuurn- un Tüffelschnaps
So af un an as natten Haps,
Un wecker nich künn wedderståhn,
Is an dees Happen ünnergåhn.
Doch ihrer dat dormit so wiet
Duert dat ’n ganze Tiet.

Üm ut Kuurn denn Schnaps tau brennen,
Mœt man ok denn Vörgang kennen,
Mœt tauierst gaut destillier’n
Un denn dat ierste Natt probier’n.
För’t Destillat secht Brüssel an,
Wurväl Wåder mœt noch ran,
Dormit Schnaps, dei so wür brannt,
ward as Kuurnbrand anerkannt,
denn blot Brände, Geister un Likör
gifft dat Gesetz von Brüssel her.

Kuurn mit sœbenundörtig – fief
Warmt all dörch denn ganzen Lief;
Fief weniger sünd’t „Angebot“ –
Dei Würkung is denn nich so grot.
As Duppelkuurn gifft sik dei Ihr
Ein Kuurn mit por Purzenten mihr.
Dor Bramwien nie nich Wienbrand is,
Is man sik ok in Brüssel wiß,
As Wienbrand ward blot offeriert,
Wat ut Wien wür destilliert.
Un destilliert man Appelwien
Dörp „calvados“ dei Nåm’ ok sien!

Måkt man Åft lütt bäten lütt
Un lött dat raschen in ein Bütt,
Denn billt sik sachtens „spiritus“.
Dei Geist von dissen „animus“
Ward dörch Hitt nu ruterdräben
Un „Obstbrand“ em as Nåmen gäben,
Dei mit Purzenten von’n Kuurnbrand
Ok as „Obstler“ is bekannt.

„Geist“ hengägen dörp sik nennen
As wi dat vun denn Kirschgeist kennen,
Wenn dat Åft ganz riep un weik
An puren Schnaps ut dei Apteik
Denn fienen Åft-Geschnack afgifft
Un denn so erhollen blifft.
Nu mœt man wedder destillier’n
Üm denn Geist tau extrahier’n,
Dat dei Purzente kåmen rut
Dei denn Åft-Geist måken ut.

Dei drüdde Schnaps, dat is Likör
För weckern gifft ok Brüssel vör,
Woans hei ward denn deklariert,
Ihrer Größing em probiert:
Größing mit denn dullen Jieper
Up Klœtenkœm un Wiesenpieper,
Nich tau scharp un ornlich säut
Güng Likör ehr up’t Gemäud.

Größing harr ’n plietschen Sinn
För dat, wat inne Buddel drin,
Dor’s åhn Brill nich läsen künn,
Wat buten up dei Buddel stünn
Hett sei dull dorœwer lacht,
Wat in Brüssel wür utdacht.
Denn wunnert’s sik un secht: „O je,
Vergäten hemm’s dat MHD!
Is dat nich ’n schöner Trost –
Drinkt up Brüssel – nå denn Prost!“

Hanning

Hanning wier man gråd upståhn,
Dunn mösst hei gliek taun Kopmann gåhn,
Dor töwten all sien gauden Frünn,
Åhn dei hei dat nich utholl’n künn,
Un as dei Låden Klock acht åpen
Wiern’s gliek dornåh all schön besåpen.
Viddelnägen sünd’s so vull,
Un sei taumeln weit wie dull,
Kriegen noch ’ne Bänk tau hollen
Un sitten dor nu as dei Ollen,
Denn kieken’s inne Buddels rinner,
Un daun so as wiern sei Kinner;
Nu bülgt dei Bänk, nu is’t gescheihn,
Hanning deit allens dubbelt seihn
Un höllt dat Kniepen nich mihr ut,
Denn wat rinleep will wedder rut,
Steiht up, wiwåkt un ein, twei, drei:
Dei Buddel föllt un is intwei.
Dor Hanning sik nich hollen kann
Knallt hei dei Buddel achteran,
Un sowat wier denn gor nich gaut,
Denn ut denn Kierl sprütt all dat Blaut!
Dei Frünn’, sei kåm’n in grote Not,
Villicht is Kumpel Hannig dod,
Dat is nu in Gottes Nåmen
Bi dei Superie rutkåmen!
Un sei fangen an tau lopen,
Üm denn Notarzt rantauropen.
As dees sik Hanning deit beseihn
Weit hei all, wat em gescheihn:

„Dat süht lech ut un is nich dull,
Doch dei Kierl is schnirtenvull,
Un wenn hei nich sien Pillen nåhmen,
Kann’t noch von denn Zucker kåmen,
Un as dei Buddel rünner föll
Hei nich mihr dei Blansierung höll;
As ümmer kriecht hei gliek ’ne Sprütt
Un denn mœt hei as Stammkunn’ mit!“
Inne Notupnåhm ankåmen
Weiten all gliek sienen Nåmen:
„Uns Hanning is all wedder dor,
Dat is dat drüdde Mål dit Johr!“

Vadderdach

Ok wenn dat keinein glöben mach,
Doch Himmelfohrt dat is dei Dach,
Wo Mannslüd ünner sik will’n sien
Un bäden Gott üm Sünnenschien;
Blot wenn dat Wäder is sihr gaut
Lücht dei Fleederstrutz an’n Haut.
Tau’n Vadderdach gönnt man sik väl,
Denn jökt dat Fell, dei döstig Kähl.
So nimmt dei Dach denn sienen Lop,
Wenn dei Mannslüd sünd tauhop:
Dei iersten maken ornlich Draff
Un trecken all bitieden af.
Tau Faut un mit’n Klingelstock,
’N Flachmann in’e Tasch von Rock
Un in’e Hand ’n Buddel Bier,
Sei bruken tau ehr Glück nich mihr.
Anner will’n nich Buddels drågen,
Trecken’s fien in’n Bollerwagen,
Doch ein Buddel, dei deit wannern
Von denn einen na denn annern
Un jederein hålt sik ruckzuck
Ut dei Buddel sienen Schluck.
Un mit Gegrœhl un mit Gesang
Geiht dat denn dei Strat entlang.
Bilütten warden’s all drœndun,
Ståhn hier un dor an’n Gorntun,
Bet einer künn sik nich mihr hollen
Un is up dei Schnut denn follen.
So kümmt dei Taustand falldun ran,
Wenn keinein mihr blansieren kann.
Anners bi Mannslüd in’e Kutsch,
Dei Kœm so dörch dei Kähl wull flutscht;
Sei drinken väl un sitten wiß
Un marken nich, wat dun man is.
As’t ümmer fixer sall denn gåhn,
Ward mit dei Schwäp noch düchtig schlahn.
Doch dei Pier dor vör denn Wagen
Wull’n dei Schwäp nich mihr erdragen,
Sei keemen ut’e Läusen rut,
Dor kippt dei Kutsch, dei Fohrt is ut.
Sei Grœlen noch, as sei so fallen,
Doch denn kœnen’s blot noch lallen.
Schnirtendun schlöpt einer in,
Em geiht wull nicks mihr dörch denn Sinn.
Sprüttendun is ok dei Rest
Un vörbi dat schöne Fest!

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